How-to: Fahrradtransport im Auto

Es muss nicht immer ein Kleinbus sein.

Zwischen Ostern und Allerheiligen ist Reisezeit. Für viele von uns bedeutet das, Bike-Urlaub zu machen. Deutschland mit seinen überaus attraktiven Mittelgebirgen und den angrenzenden Alpenländern bietet jede Menge Potenzial für uns Bike- und Outdoor-Enthusiasten, und wer nicht gerade nach Übersee in die Ferne schweift, bedient sich häufig des Autos als Transportmittel. Immerhin fahren mehr als 40 Prozent der Deutschen mit dem Auto in den Urlaub. Deswegen beschäftigt sich dieser Artikel mit dem Fahrradtransport im Auto. Genau, richtig gelesen. Nicht auf dem Dach oder am Heck, sondern IM Auto.

Für unseren Bericht nehmen wir an, dass zwei Personen, zwei Bikes und entsprechendes Reisegepäck im Auto transportiert werden sollen.

Für zwei Personen kommt da ganz schön was zusammen, wie unser Beispiel zeigt:
Helm(e) – je nach Disziplin ein Halbschalen- und ein Fullface-Helm, Rucksack, Schuhe, Protektoren, Standpumpe, Werkzeug etc. – wer mit dem Auto reist, packt auch gerne mal noch etwas mehr ein.

Das soll alles ins Auto: 2 Bikes, 1 großer Rollkoffer 85 Liter Volumen, 1 Vaude Trolley 40 Liter Volumen,
2 Bikerucksäcke, 2 Helme, 1 kleiner Werkzeugkoffer.
Für unser Vorhaben steht uns dieser Mittelklassewagen zur Verfügung.
Das benötigen wir fürs Packen: Dirtlej Bike-Protector Set, Minitool, 2x Transportsicherung für Scheibenbremsen (je nach Hersteller), mehrere Decken (hier: ausrangierte Bettbezüge).

Im Durchschnitt verweilen wir zwischen drei und sieben Tagen an der
Urlaubsdestination. Darunter fällt so ziemlich alles von einem Wochenende im Bikepark, über ein langes Wochenende in den Vogesen bis hin zu einem einwöchigen Urlaub in einer Alpenregion. Und da nun mal nicht jeder in der glücklichen Lage ist, einen VW-Bus zu besitzen, stellen wir hier am Beispiel eines sehr verbreiteten Mittelklassewagens vor, wie das Bike reisefähiggemacht wird, was dabei zu beachten ist und welcher Hilfsmittel
wir uns dafür bedienen, damit Mensch(en) und Maschine(n) wohlbehalten am Reiseziel ankommen. Und mal unter uns: Wem blutet nicht das Herz, wenn man sein heiß geliebtes Bike auf dem Dach des Autos transportiert und es auf diese Weise unweigerlich sowohl Wind und Wetter wie auch Insekten aussetzt, die durch die hohe Geschwindigkeit beim Aufprall auf Griffe, Cockpit und Gabelrohre massenweise den Tod finden?

Lange Rede, kurzer Sinn: Eingepackt wird, und zwar richtig!

Fahrradtransport auf dem Autodach ist teuer!

Laut einer Untersuchung von AutoBild „schlucken die Bikes als Dachtransport knapp vier Liter mehr.“ Möchte man dabei schnell ans Ziel kommen und drückt ordentlich aufs Gaspedal, schnellen die Kosten exorbitant in die Höhe!


Schrittweise Anleitung

Das Auto für den Biketransport vorbereiten

Bitte beachten: Hier muss man einfach ein wenig ausprobieren, was sich bei eurem Fahrzeugtyp und eurem Bike anbietet. Es gibt nicht die Lösung, sondern viele verschiedene Möglichkeiten, das Bike sicher und geschickt im Auto zu transportieren.

  • Heckklappe ausbauen
  • Kopfstützen herausnehmen
  • Rücksitze im Auto umklappen, um eine möglichst große und ebene Ladefläche zu erhalten
  • In unserem Auto ist die Sitzfläche von der Rückenlehne getrennt, d.h. die Sitze lassen sich nicht ausbauen, sondern Sitzfläche und Rückenlehne entsprechend umklappen.


Die Bikes reisefähig machen

  • Zuerst wird das Vorderrad ausgebaut
  • Hierzu den Schnellspanner an der Steckachse öffnen und herausdrehen
  • Dann das Vorderrad gerade ausbauen, um die Bremsscheibe nicht zu verbiegen

Wenn man alleine ist, empfiehlt es sich, das Bike auf den Kopf zu stellen. Hier ggf. eine Decke unterlegen, um das Bike (Pop-Loc-Hebel, Remote-Hebel der Variostütze etc.) nicht zu verkratzen.

  • Nun die Transportsicherung zwischen die Scheibenbremsbeläge schieben
  • Sie sollte fest zwischen den Bremsbelägen arretiert sein
  • Damit die Steckachse nicht verloren geht, diese am besten direkt wieder einbauen und locker schließen.
  • Die Transportsicherung sorgt dafür, dass im ausgebauten Zustand die Bremse nicht „zugeht“. Dies kann passieren, wenn der Bremshebel dauerhaft gezogen wird bzw. beim Transport etwas auf den Hebel drückt, wenn das Rad mit Bremsscheibe nicht eingebaut ist. Solltet ihr keine Transportsicherung haben, besorgt euch die für euren Bremsentyp entsprechende beim Händler eures Vertrauens! Im Notfall tut es auch mal eine Zwei-Euro-Münze, ein Stück Kunststoff oder Karton. Das ist aber nur eine Notlösung und sollte nicht dauerhaft angewendet werden!

Insbesondere beim Transport von zwei oder mehreren Rädern empfehlen sich Transportschoner für das Fahrrad, beispielsweise von Dirtjej. Diese schützen nicht nur das Bike, sondern auch das Innere des Autos vor Verkratzen durch Reibung und Schläge.

Für unseren Zweck bedienen wir uns folgender Transportschoner von Dirtlej: Gabelschoner, Pedalschoner, Hinterbauschoner. Die Schoner bestehen aus robustem Nylon, sind gepolstert und mit elastischen Klettverschlüssen versehen, sodass sie im Prinzip an jedes Bike passen.

Wir packen Federgabel, Pedale und Hinterbau ein, versenken die Sattelstütze und laden dann das Bike ein. In unserem Beispiel entscheiden wir uns dafür, die Bikes nebeneinander zu stellen.

Das bietet sich insbesondere an, wenn euer Auto über eine gewisse Höhe am Heck verfügt (Polo, Skoda Roomster, Renault Kangoo etc.) Je nach Rahmengröße und Radstand muss das Bike möglichst weit vorn positioniert sein, sodass sich die Federgabel vor der umgeklappten Rückenlehne befindet.

Steht das erste Bike sicher, so kommt das zweite Rad möglichst dicht daneben.

Wie man auf dem Bild erkennen kann, wird der Lenker gegen die Kopfstütze gelehnt und durch Pedal und Kurbel abgestüzt. Für zusätzliche Stabilität kann man die Front mit Spanngummis an den Kopfstützen sichern.

Das zweite Bike stellt man exakt daneben, so gut es Pedale und Lenker zulassen.

Sicherlich kann man den Lenker auch querstellen; wir haben darauf verzichtet, weil es a) nicht unbedingt von Vorteil ist, b) die Sicht durch den Rückspiegel in unserem Fall nicht beeinträchtigt wird und man c) dann am Ziel weniger schrauben muss.
Das Gröbste wäre geschafft.

Zum Schluß das Gepäck

  • Großes und Schweres eignet sich bestens als untere Lage
  • Rucksäcke, Helme, Schuhe und weitere Accessoires kommen obendrauf, hinter die Sitze in den Fußraum oder zwischen die Bikes
  • Wichtig ist, dass nichts klappert, scheuert oder bei einem spontanen Bremsmanöver wie ein Geschoss durch das Fahrzeuginnere fliegen kann
  • Bikes mit Decken an den kritischen Stellen abdecken
  • Beim Einladen der Laufräder darauf achten, dass die Bremsscheiben nicht verbogen werden
Alles drin und noch jede Menge Platz in den Zwischenräumen.

Fazit

Wie ihr seht, ist der Biketransport im Mittelklassewagen kein Hexenwerk.
Zu Beginn bedarf es (wie bei allem) etwas Übung, um die passende Lösung für den jeweiligen Kfz-Typ herauszufinden und die entscheidenden Schritte bei der Bike-Sicherung zu verinnerlichen. Hat man aber die Bikes zwei oder drei Mal ein- und wieder ausgeladen – und das ist in der Regel bereits nach einem Kurzurlaub der Fall – sitzen die Handgriffe, und die Bikes sind reisebereit im Auto verstaut. Auftanken und los geht’s!

Tipp: Als Gastbeitrag erschien dieser Artikel im World of Mountainbike-Magazin, Ausgabe 06/2017.