2-Tages-Trek Georgien: Von Juta nach Roshka

Der Trek von Juta nach Roshka führt durch die Region Chewsuretien.

Nach drei Tagen in Tbilisi, der Hauptstadt Georgiens, zieht es uns nun in die Berge. Da wir nicht wo ganz einschätzen konnten, welche Infrastruktur uns dort erwartet, hatten wir unter anderem auch wegen der Geschichten über den kaukasischen Hirtenhund beschlossen, mit einem Guide loszuziehen.

Unser Trek findet in der Region Chewsuretien statt. Ausgangspunkt unserer 2-Tages-Wanderung ist das kleine, ziemlich verlassen wirkende Dorf Juta auf 2.200 m, das wir die letzten 8 km Kilometer über eine Schotterpiste erreichen.

Die letzten Meter im Geländewagen führen über Schotter nach Juta.

1. Tag: Von Juta über den Chaukhi Pass zu den Abudelauri Lakes

Für die nächsten zwei Tage haben wir alles dabei: Kochgeschirr, warme Schlafsäcke, das eigene Zelt, Isomatten und jede Menge zu essen. Der Rucksack wiegt so ca. 13 kg, was sich aber noch ganz gut anfühlt. Ab Juta folgen wir dem Flußlauf des Chaukhi River leicht bergan. Langsam öffnet sich das Tal und wir haben das Chaukhi Massiv direkt vor uns.

Fast schon hochsommerliche Temperaturen im Chaukhi-Tal.

Schon bald erreichen wir den Zeta Camping (2.275 m) und nach weiteren 10 Minuten die 5th Season Hut (2.340 m). Beide Unterkünfte sind idyllisch im Hochtal gelegen und bieten sich zum Übernachten an. Die umliegenden Felsen sind insbesondere bei Kletterern sehr beliebt. Wir allerdings wollen weiter, haben schließlich noch ein bißchen was vor uns heute.

Immer wieder treffen wir im Juta-Tal auf neugierige Wildpferde.

Der Weg ist nun deutlich sichtbar und leicht ansteigend. Aus der Vogelperspektive betrachtet müssen wir wirken wie drei winzig kleine Punkte inmitten der herbstlich goldgelben Hügellandschaft des Juta-Tals, die von den mächtigen, rauen Bergen des Chaukhi Massivs umgeben ist.

Der große Kaukasus macht seinem Namen alle Ehre.


Nach etwa 2 Stunden erreichen wir die erste Herausforderung unserer Wanderung: den Kamm am Fuße des Chaukhi-Passes. Hier setzen wir die Rucksäcke ab und gönnen uns eine längere Pause. Inzwischen sind wir übrigens zu Viert. Ein schwarzer Mischlingshund hat sich zu uns gesellt und offensichtlich beschlossen, ab sofort unser Freund zu sein. Wer nun glaubt, er wolle einfach seinen Hunger stillen, hat weit gefehlt. Unser Picknick interessiert ihn nicht. Es scheint, als wolle er aus Zeitvertreib mit uns wandern.

Steil, steiler, Chaukhi-Pass – 3.338 m

Noch wenige Meter trennen uns von dem Chaukhi Pass.

Gestärkt machen wir uns an den finalen Aufstieg auf die Passhöhe. Steil schlängelt sich der Weg die letzten ca. 150 hm im Zick-Zack bergauf. Jeder geht sein Tempo. Während wir andächtig einen Fuß vor den nächsten setzten, legt der Hund mindestens die dreifache Wegstrecke zurück. Er läuft vor, zurück, bleibt stehen und überholt uns dann doch wieder von hinten. Ihm scheint die Höhe nichts auszumachen.

Unterwegs treffen wir auf zwei Mädels aus Kasachstan, mit denen wir einen Teil unserer Tagestour bestreiten. Ihr Ziel ist der Chaukhi-Pass. Dort trennen sich unsere Wege. Sie steigen wieder in Richtung Juta ab, während wir uns auf unsere erste Zeltnacht im Kaukasus freuen.

Serpentinen führen uns zum Chaukhi Pass auf 3.338 m.

Nach etwa einer halben Stunde steilen und steinigen Aufstiegs erreichen wir die Passhöhe auf 3.338 m. Das Wetter ist übrigens perfekt. Den ganzen Tag über haben wir schon angenehme Wandertemperaturen. Die Kraft der Sonne ist nicht mehr ganz so stark wie im Hochsommer, doch trotzdem kommen wir an diesem Tag Ende September ordentlich ins Schwitzen. Nur auf der Passhöhe, auf knapp 3.400 m ziehen wir uns eine wärmende zweite Schicht über, um im Wind nicht auszukühlen. Wir nehmen uns ein kleines Stück unterhalb des Gipfels die Zeit, ein paar Trockenfrüchte, Kekse und Schokolade zu essen und lassen unseren Blick in die Ferne schweifen. In der Ferne entdecken wir den Elbrus und jede Menge anderer mächtiger Fünftausender.

Chaukhi Pass-Abudelauri Lakes

Von nun an soll es nur noch bergab gehen. Irgendwie schon komisch. Kaum ist man oben angekommen, steigt man wieder ab. Tja, so ist das nun mal beim Wandern. Zwar ist die Aussicht hier oben wundervoll, doch der starke Wind und der Mangel an Wasser ermuntern uns, bis zu den Abudelauri Lakes abzusteigen. Die drei Seen liegen auf einer Meereshöhe zwischen 2.700 m und 2.800 m. Für uns bedeutet das, dass wir rund 500 Höhenmeter absteigen. Bereits nach wenigen Metern befinden wir uns auf der Rückseite des Chaukhi Massivs und inmitten des steilen Abstiegs. Immer noch in Begleitung des Hundes, marschieren wir flotten Schrittes den gut erkennbaren Pfad in Serpentinen bergab und scannen die Landschaft unter uns schon nach einem geeigneten Schlafplatz ab.

Blick vom Chaukhi-Pass in Richtung Roshka.

Von oben sind die drei Abudelauri Lakes gut erkennbar. Spätestens jetzt wird deutlich: Der Name ist Programm! Nicht ohne Grund heißen die Seen “The blue lake”, The green lake” und “The white lake”. Im Schein der tief stehenden Sonne bietet sich uns ein einzigartiges Farbenspiel.

Unser namenloser, vierbeiniger Begleiter scheint den Weg zu den Seen bereits zu kennen.

Nach ziemlich anstrengenden eineinhalb Stunden erreichen wir schlußendlich die Seen, um auf der anderen Seite wieder ein kleines Stück auf einen Hügel zu steigen. Dies ist wichtig, da ganz in der Nähe der Seen ein Schäfer sein Sommerquartier bezogen hat und dies von drei lautstark kläffenden und zähnefletschenden kaukasischen Hirtenhunden weiträumig bewacht und im Ernstfall sicherlich auch verteidigt wird. Da wir auf ein näheres Kennenlernen mit den Hunden nicht so erpicht sind, machen wir einen großen Bogen um das Terrain und bauen unsere Zelte schlußendlich auf einer kleinen Anhöhe auf.

Feierabend für die Wanderschuhe nach einem 9-Stunden-Tag.

Nach diesem langen Tag tut es gut, die Wanderschuhe auszuziehen und barfuß durch Gras zu laufen. Uns bleibt gerade noch ausreichend Zeit, unsere Sachen zu sortieren, die Küche aufzubauen und zu kochen. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen verschwunden und auf 2.800 m wird es im Kaukasus empfindlich kalt. Dennoch kann uns diesen Moment niemand nehmen. In Schlafsäcke gewicklet genießen wir unsere Tütensuppen und einen heißen Schwarztee…

Ohne Worte. Einfach nur gut.


2. Tag: Von den Abudelauri Lakes nach Roshka

Was gibt es Schöneres, als bei einer Übernachtung im Freien von den ersten Sonnenstrahlen geweckt zu werden?

Guten Morgen, Georgien. Ein Zimmer mit Ausblick.

Für uns ist das nur noch mit dem Geräusch der zischenden Mokkakanne auf dem Gaskocher und dem Duft frischen Espressos zu toppen. Den denken wir uns an dieser Stelle hinzu. Allerdings verliert dieser Gedanke auch sofort wieder an Bedeutung. Denn der Moment, in dem wir den Zeltreißverschluss öffnen und dich dieses Panoramabild vor uns eröffnet ist einzigartig.

Wir kriechen aus dem Zelt und sind sprachlos. Stumm blicken wir in alle Richtungen und sind einfach nur glücklich hier zu sein.

“The mountains speak for themselves”

Zitat aus der Erlebnispädagogik, Outward Bound.

Unser Frühstück besteht heute Morgen aus Schwarztee, Fladenbrot, zugegebenermaßen etwas eigenartiger georgischer Wurst, Heidelbeermarmelade aus der Tube, Unmengen von Sulguni (georgischem Kuhmilchkäse) und Asia Noodlesoup. Tja, das kommt dabei heraus, wenn man dem Guide das Einkaufen überlässt…

Heute steht “nur” der Abstieg von den Abudelauri Lakes nach Roshka an. Weder konditionell noch technisch besonders anspruchsvoll, lassen wir es entsprechend gemütlich angehen. Wir bauen unsere Zelte ab, lüften unsere Daunenschlafsäcke in der Sonne und verpacken alles in unseren 35-bzw. 45-Liter Rucksäcken. Es ist sommerlich warm, so entscheiden wir uns bereits morgens für kurze Hose und Kurzarm-Merino Shirt. Eine zweite Lage findet sich greifbar im Deckelfach, alles andere an Bekleidung in den Tiefen des Rucksacks.

Stetig bergab führt uns der Weg über die die kaukasische Weidelandschaft und bunte, alpine Wiesen. Die Abudelauri Lakes sind ein beliebtes Tages- oder Wochenend-Ausflugsziel. Immer wieder kommen uns vereinzelt Wanderer aus dem etwa 8 km entfernten Roshka entgegen.

Der Weg ist abwechslungsreich und kurzweilig. Unser Guide Tato erzählt uns, dass sich der Tourismus in Georgien rasant schnell entwickelt und neben Israelis und Russen, vor allem Europäer langsam auf das Land zwischen Europa und Asien aufmerksam werden.

Auch wenn dies nur ein kleiner Einblick in eine kleine Region ist. Das was uns hiervon bleibt, sind unbeschreibliche Momente in einer noch sehr ursprünglichen und unberührten Natur.

Weiterführende Informationen:

  • Trek Georgia bietet Trekkingtouren in Georgien. Professionelle Webseite und detallierte Tourenbeschreibungen. Wer All-In sucht, ist hier ganz gut aufgehoben, für Individualisten ist das Konzept eher zu eng und definitv zu teuer.
  • Über Georgiano findet man Kontakte von zertifizierten Bergführern.