Weitwandern auf dem HW1: In 16 Etappen über die Schwäbische Alb

2019-2021. Noch nie haben wir für einen Etappenweg so lange gebraucht! Natürlich sind wir nicht zwei Jahre gelaufen. Vom Start im Frühjahr 2019 vergingen allerdings ganze zwei Jahre, bis wir mit Etappe 4 weitermachten. Warum? Erzählen wir im Artikel. Und wir berichten auch über die sieben weiteren Etappen des Schwäbischen Nordrandwegs und natürlich auch, was wir so alles erlebten!


  1. Ein erster Überblick
  2. Liebe auf den zweiten Blick
  3. Landschaft & Topographie
  4. Eindrücke aus der Pflanzenwelt
  5. Praktische Tipps
  6. Fazit

1. Ein erster Überblick

Der HW1 – oder auch Schwäbischer Nordrandweg oder Albsteig – ist ein Fernwanderweg und führt in 16 Etappen über die Schwäbische Alb. Start ist in Donauwörth und Ziel in Tuttlingen. Wie die Bezeichnung “Nordrandweg” bereits vermuten lässt, orientiert sich die Wegführung dabei stets am nördlichen Rand des Mittelgebirges und führt teils über spektakuläre Passagen entlang der Albabbruchkante. Den Wanderer erwarten auf dem HW1 rund 360 km und knapp 9.000 Höhenmeter bergauf und bergab.


Auf den ersten Blick hört sich das nicht allzu anspruchsvoll an. Von vergangenen Touren in den Alpen, in Nepal und im Kaukasus sind wir da ganz andere Zahlen gewohnt und ehrlicherweise verraten wir an dieser Stelle auch, dass wir zwei Anläufe gebraucht haben, um von dem HW1 mindestens ebenso begeistert zu sein, wie zum Beispiel vom Westweg im Schwarzwald. Mehr dazu in Kapitel 2 “Liebe auf den zweiten Blick”.


2. Liebe auf den zweiten Blick

Die Überschrift bringt es bereits auf den Punkt. Wir und der HW1, das war alles andere als “Liebe auf den ersten Blick”. Zugegeben, die Messlatte lag ziemlich hoch, denn wir nahmen uns den HW1 vor, nachdem wir wenige Wochen zuvor den Westweg im Schwarzwald und den Malerweg im Elbsandsteingebirge erwandert hatten. Und sagen wir mal so, auf dem HW1 geht es zunächst etwas gemächlich dahin. Aus diesem Grund fassen wir Etappe 1-3 zusammen und uns kurz:

Zu unserer Schande haben wir es tatsächlich geschafft uns gleich am Anfang zu verlaufen.

Wie man es schafft, sich auf einem vorbildlich ausgeschilderten Wanderweg wie dem HW1 zu verlaufen? Tja, wir haben die Markierung einfach zu ernst genommen und sind dem roten Dreick, welches für den HW1 (und auch weitere HWs) steht, stets in Richtung der Pfeilspitze nach rechts bzw. links gefolgt. Anfängerfehler!
So sind wir weder nach Donauwörth-Zentrum noch zu einschlägigen Wegweisern des HW1 gekommen. Verzweifelt orientieren wir uns stattdessen an jeder nächst besten Markierung, die in etwa in die Richtung zeigte, in die wir am Ende des ersten Tages kommen sollten. Zur Folge hatte dies, dass wir kilometerlang auf einem asphaltierten Radweg entlang einer vielbefahrenen Straße marschierten.

In bleibender Erinnerung an die ersten drei Etappen haben wir auf jeden Fall noch die einzige Beiz in Mönchsdeggingen. Wir waren froh, hier einen Gasthof zu finden, der neben einem „Fremdenzimmer“ auch ein Abendessen anbot. Die Küche hatte sich scheinbar auf Schnitzelvariationen spezialisiert, denn auf der Karte fand man nichts anderes! Wiener Schnitzel, Jägerschnitzel, Schnitzel mit Paprikasauce, Schnitzel überbacken, Schnitzel mit Brot – alles im Schnitt für 7,00 Euro, mit Beilagen und Salat. Tja, was macht man da? Man bestellt Schnitzel, und dieses Schnitzel war definitiv ein Highlight der ersten drei Etappen.

Viel mehr können wir auch gar nicht mehr zu unseren Anfängen auf dem Albsteig berichten. Nur, dass es dann fast zwei Jahre gedauert hat, bis wir mit Etappe 4 weitermachten.

Im frühen Frühjahr 2021 packt uns also die Wanderlust und vor allem der Ehrgeiz, und wir kramen den HW1 wieder aus den hintersten Schubladen unseres Gedächtnisses hervor. „Ja stimmt, den HW1 wollten wir auch mal noch fortsetzen. Hm ja, bevor wir hier nicht weitergemacht haben, fangen wir nichts Neues an. Ist ja auch blöd, irgendwie. Und es haben schon Einige gesagt, dass der echt schön sein soll. Also komm, machen wir mal weiter!“


3. Landschaft & Topographie

3.1 Etappen 1-3

Wie bereits unter Kapitel 2 beschrieben, haben uns die ersten drei Etappen des Fernwanderwegs HW1 nicht gerade vom Hocker gerissen. Aber wie das auf Wanderungen, und vor allem auch in den Alpen, halt so ist: es gibt einen Auf- und einen Abstieg, und das ist einfach meistens „a Hatsch“ – so auch hier, finden wir.

Start ist in Donauwörth (410 m.ü.M.), und das liegt ja bekanntermaßen nicht mitten auf der Alb, sondern ein ordentliches Stück davon weg. So erwarten uns auf den ersten drei Etappen insgesamt ca. 50 km und knapp 900 hm.

Das Landschaftsbild ist geprägt von ländlichem Idyll und der ein oder anderen Erhebung hier und da. Grüne Wiesen wechseln sich ab mit Rapsfeldern und bewaldeten Abschnitten. Als Stadtkinder fühlen wir uns abschnittsweise in eine andere Zeitzone versetzt, wobei das mitnichten abwertend klingen soll.

Darauf verzichten, und dazu zu raten, die ersten drei Tage einfach wegzulassen, würden wir aber auf gar keinen Fall. Das ließe unser Wanderherz niemals zu, und es wäre einerseits unsportlich und andererseits unfair, denn dann könnten wir diese Etappenwanderung schließlich nicht vollständig beurteilen. Außerdem wären wir dann wohl kaum in den Genuss des Schnitzels in Mönchsdeggingen gekommen!


3.2 Etappen 4-9

Wir befinden uns zeitlich gerade inmitten des zweiten Corona-Frühlings. Nach einigen Wintertouren rund um Göppingen und Geislingen an der Steige, wo wir den HW1-Wegweisern immer wieder begegneten, fiel die finale Entscheidung: „Der HW1 ist prädestiniert dafür, von uns 2021 erwandert zu werden!“

Der Kalender wurde nach freien Terminen durchsucht. Und da uns die Pandemie noch immer oder schon wieder maßgeblich beeinflusst, ist Mitte März 2021 schnell ein Termin gefunden. Also packen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf, auf die Alb!

Weiter geht es für uns also in Bopfingen am Ipf, und mit jeden Schritt dieser 27 km der 4. Etappe kommt die markante Albkante näher. Es lässt sich bereits erkennen, dass wir uns an den nächsten ein, spätestens zwei Tagen über einige Höhenmeter freuen dürfen. Die Gutmütigkeit der ersten Etappen hat unserer Meinung nach spätestens auf Etappe 5 ein Ende: Diese endet übrigens in Heubach, welches unter Mountainbikern sicherlich bekannt sein dürfte, ist das kleine Städtchen auf der Ostalb doch seit Jahren stolzer Austragungsort internationaler MTB-Bundesliga-Rennen. Bei unserer Wanderung auf dem HW1 bekommen wir leider nur einen kleinen Einblick in die vorhandene bikefreundliche Infrastruktur. Immer wieder blitzen einladende Singletrails aus den frühlingshaften Laubwäldern, der letzte Schnee ist gerade im Begriff sich zu verabschieden.

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Mountainbike-Mekka Heubach

In Heubach auf der Ostalb kann man auf jeden Fall ein Bike-Wochenende verbringen.
Im Rahmen des einmal jährlich stattfindenden MTB-Festivals “Bike the rock” werden u.a. Cross-Country-Bundesligarennen ausgetragen. Zudem gibt es einen MTB-Marathon, Pumptrackrennen und ein buntes Rahmenprogramm.

Das Höhenprofil von Etappe 6 gleicht der Seitenansicht eines Sägeblatts, zick zack, hoch runter, runter, runter, hoch, hoch – aber das ist genau das, was wir wollen! Wir wollen die Alb besteigen, und das haben wir nun geschafft. Wir sind erstmalig richtig oben auf dem Hauptkamm, genießen immer wieder einzigartige Aussichtspunkte direkt an der steil abfallenden Albkante. Immer weiter entfernen wir uns von den drei Kaiserbergen, die vor zwei Tagen noch zum Greifen nah waren. Begeistert passieren wir mehrere Startplätze von Gleitschirmfliegern, bleiben immer wieder stehen und schauen dem Treiben zu.

Wir sind nun definitiv angekommen auf dem HW1. Wir sind begeistert von den schmalen, wurzeldurchsetzten Pfaden, die sich teilweise wie mäandernde Bächlein mal links, mal rechts zwischen Bäumen hindurchschlängeln und immer wieder mit kurzen steilen Auf- und Abstiegen überraschen. Der HW1 geizt auf diesen Abschnitten nicht mit seinen vielumworbenen Reizen, die da wären: einzigartige Aussichtspunkte, Burgruinen, die Geschichte erzählen, typisch schwäbische Einkehrmöglichkeiten, leckere Kuchen- und Käsevielfalt in Bioläden, etc.
Nach den wunderbar spektakulären, aber am Wochenende auch stark frequentierten Etappen 8 und 9 rund um die Burg Teck und Bad Urach, können wir es kaum erwarten, weiter zu wandern und noch mehr vom HW1 kennenzulernen. Sieben Etappen und den höchsten Berg haben wir noch vor uns…


3.3 Etappen 10-16

Relativ spontan machen wir uns Ende August auf zur Etappe 10, die uns von Bad Urach nach Honau führt. An diesem Freitag brechen wir erst am späten Nachmittag in Stuttgart auf und steigen in den Zug, der uns über Metzingen in rund einer Stunde nach Bad Urach bringt.

Das Highlight der 10. Etappe sind die Bad Uracher Wasserfälle, die wir nach wenigen Kilometern erreichen. Es dämmert bereits, deswegen sind die Touristenströme weg, und wir treffen auf keine Tagesausflügler mehr. Einzig zwei Radfahrer begegnen uns in der Abendsonne. Beim Aussichtsturm “Hohe Warte” breiten wir für diese Nacht unsere Schlafsäcke aus und geniessen eine Nacht unter dem Sternenhimmel.

Vom Sonnenaufgang geweckt, genießen wir eine einzigartige Aussicht und einen ersten, starken Kaffee auf dem Dach des Ehrenmahls “Hohe Warte” über die Schwäbische Alb. Landschaftlich hält die Etappe 10 auf den folgenden ca. 20 km einige Schmankerl bereit. Der HW1 führt in sanftem Auf und Ab vorbei an der Ruine Greifenstein und weiteren Aussichtspunkten, bis wir unser Tagesziel Honau erreichen. Das Schloss Lichtenstein thront einladend auf einem Felsvorsprung. Das nehmen wir uns nächstes Mal vor.


4. Eindrücke aus der Pflanzenwelt

„Schon schön, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht“, sage ich heute. Als Jugendliche hat es mich gelinde gesagt keinen Deut interessiert, wenn die Eltern bei jedem Grashalm stehen blieben, um dessen Einzigartigkeit hervorzuheben. Inzwischen sind auch wir etwas erwachsener und tada: diese Sichtweise hat sich ziemlich verändert. Inzwischen sind wir es, die von den kleinen Naturwundern am Wegesrand allzu verzückt sind, begeistert stehen bleiben und Knospe für Knospe fotografieren. Auch wenn wir davon schon 200 ähnliche Bilder haben.

Biosphärenreservat Schwäbische Alb

Die Region Schwäbische Alb ist eine geologische und botanische Schatzkammer und mit dem UNESCO Geopark und mit der UNESCO Biosphärenreservat ausgezeichnet. Die Schwäbische Alb besitzt insgesamt fünf UNESCO-Zertifikate. Neben den urzeitlichen Kulturschätzen und ihren Fundstätten (1) tragen der Limesgrenzwall (2) sowie die vorgeschichtlichen Pfahlbauten des Steinzeitdorfs in Ehrenstein (3) den Welterbetitel. Von der UNESCO ausgezeichnet sind auch der Geopark Schwäbische Alb (4) mit seinen Fossilienfundstätten und die alten Kulturlandschaften des Biosphärengebiets (5). Eine so hohe Vielfalt der Landschaft ist in keinem anderen Biosphärenreservat in Deutschland anzutreffen, urteilte die Kommission über die Traufwälder, Streuobstwiesen und Wacholderheiden.
Quelle: Schwäbische Alb

Botaniker sind wir deswegen natürlich noch lange nicht, aber es ist einfach schön zu entdecken, welch verschiedenartige Pflänzchen auf dem HW1 gerade so aus dem Winterschlaf erwachen.

Bemerkenswert ist zudem, wie schnell sich das Landschaftsbild verändert. Während wir Anfang April auf den Höhen der Alb noch durch Schnee stapften, war der Wegesrand nur zwei Wochen später schon von einem Bärlauchmeer gesäumt. [Anmerkung: Wir waren zwischen März und Mai und dann wieder ab Ende August auf dem HW1 unterwegs.]


5. Praktische Tipps

5.1 Die Ausrüstung

Über Rucksack, Schuhe und Bekleidung. Eins vorweg: Es gibt nicht DIE Empfehlung zum richtigen Equipment für den HW1. Das hängt von sehr, sehr vielen individuellen Faktoren ab, wie z.B. Jahreszeit, Wetter, Vorlieben und natürlich davon, ob ihr den Albsteig in mehrere Ein-Tages-Touren oder Mehrtagestouren unterteilt, oder ob ihr gar alle 16 Etappen in einem Rutsch erwandert. Für die Wahl des passenden Rucksacks ist zudem maßgeblich, ob ihr in Pensionen übernachtet oder autark im Zelt.

Wir haben als 2er- und 3er-Team schon zahlreiche Touren im Mittelgebirge und den Alpen unternommen und können euch daher unsere persönlichen Erfahrungswerte weitergeben. Daran sieht man, dass der Rucksack, dessen Inhalt und z.B. die Schuhwahl für ein und dieselbe Tour bei drei Personen sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Grundsätzlich ist man mit einem Wanderrucksack, der ein Volumen von 20-35 Litern aufweist, gut aufgehoben. Bei einer Tagestour reichen 20 Liter sicherlich aus. Ist man mehrere Tage auf dem Etappenweg unterwegs, so kommt zur Verpflegung und dem Wetterschutz noch Wechselbekleidung und Waschzeug – und ganz vielleicht noch Zelt, Isomatte, Schlafsack und Kocher hinzu. Egal wie der Wetterbericht ausfällt, in unserem Rucksack ist immer mindestens ein wasserdichter Packsack, um im Bedarfsfall das Wichtigste trocken zu halten. Mit dabei haben wir zudem immer eine Mülltüte. Denn für uns ist selbstverständlich, dass wir unseren Müll wieder mit nach Hause nehmen.

Während Andrea auf leichte Trailrunningschuhe mit gutem Profil setzt, schwört Thea auf ihre knöchelhohen Leichttrekkingschuhe, und Berna kommt sogar in ihren massiven Bergstiefeln daher. Grundsätzlich sollten die Schuhe einfach passen, und ihr solltet euch darin wohl fühlen. Unserer Einschätzung nach kann man den HW1 sowohl in stabilen Turnschuhen als auch in Wanderschuhen gehen. Wer sich für Laufschuhe entscheidet, der sollte auf eine griffige Sohle und einen guten Halt im Schuh achten – vor allem bei Nässe kann das stetige Auf und Ab auf den teilweise wurzeligen Pfaden anspruchsvoll sein. Vorteile bieten die halbhohen Trailrunningschuhe vor allem auf Asphalt und klassischen Forstwegen. Hier zahlen sich die gute Dämpfung und das niedrige Gewicht des Schuhs aus. Wer zum typischen Wanderschuh greift, der sollte darauf achten, dass dieser nicht zu steif ist. Eine gute Dämpfung und ein komfortables Abrollen sind bei Tagesetappen von bis zu 8 Stunden Pflicht. Mit einem steigeisenfesten Bergstiefel tut man sich auf dem HW1 keinen Gefallen!

Ein paar Worte zur Bekleidung: Unserer Meinung nach bewährt sich auf dem HW1 das gute alte Zwiebelprinzip. Die Höhenunterschiede vom Talort zu den Höhen des Albtraufs sind nicht zu unterschätzen. Hier gibt es gut und gerne Temperaturunterschiede von 5 Grad Celsius oder mehr. Am eigenen Leib erfahren haben wir auch, dass der Winter auf der Ostalb gerne etwas länger dauert,… so sind wir nicht nur einmal im April durch frischen Schnee gestapft und haben ein wärmendes Shirt und eine Mütze aus unseren Rucksäcken gekramt. Materialtechnisch zählen T-Shirts und Longsleeves aus Merinowolle zu unseren Favoriten. Sie sind leicht, haben ein geringes Packmaß, trocknen schnell, lassen sich gut übereinander ziehen und sind geruchsneutral, was in der Praxis bedeutet, dass sie selbst nach mehreren schweißtreibenden Tagen auf Tour noch nicht müffeln.
Je nach Jahreszeit kombinieren wir unsere erste Lage mit einem weiteren langärmligen Shirt, einer Weste, einer dünnen Daunen- oder Kunstfaserjacke und der dritten Lage, einer Wind- bzw. Regenjacke. Ins Gepäck sollte auf jeden Fall auch ein Buff, ein Stirnband oder eine Mütze. Vor allem die Buff-Tücher sind echte Alleskönner: Sie können als Halstuch, Schweißband, Stirnband, etc. getragen werden und nehmen kaum Platz weg!


5.2 Wasser & Brot

Kaum zu glauben, aber wer mehrere Tage am Stück auf dem HW1 unterwegs ist, der sollte sich vorab damit auseinandersetzen, wo es Trinkwasser gibt. Vor allem auf den mittleren Etappen 5-9 verläuft der Weg im Prinzip auf dem Albtrauf, und man kommt nicht automatisch durch Ortschaften. Corona-bedingt hatten im März/April und Mai 2021 Wanderheime und Ausflugslokale am Wegrand geschlossen. Ab und zu taucht eine Siedlung mit mehreren Höfen auf. Dort kann man natürlich freundlich anklopfen und fragen. Unserer Erfahrung nach wird man selten abgewiesen, wenn man höflich um etwas Trinkwasser bittet. Selbst in Deutschland nicht…

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Unsere 5 goldenen Regeln
für die Verpflegung unterwegs


2 Liter Wasser für unterwegs, die Tagesetappen sind zwischen 20-30 km lang. Unterwegs gibt es kaum Brunnen oder Wasserstellen, daher lieber 0,5 Liter mehr mitnehmen!

Wer autark übernachtet, sollte pro Person ca. 1,5 Liter Wasser zusätzlich zum Trinken und Kochen für morgens und abends einplanen.

Auf jeden Fall ins Gepäck gehören Nüsse und Schokolade!

Den Energie-Boost, wenn gerade kein Espresso zur Hand ist, liefert “Pocket Coffee” – ihr wisst schon, diese Schokopralinen mit Espressokern.

Gut, günstig und sättigend sind die Instant-Kartoffelbrei-Päckchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Das geht zwischendurch, als Vorspeise abends und auch mal als Frühstück, setzt aber natürlich die Mitnahme eines Gaskockers voraus.

Gerade weil es auf dem HW1 ums Trinkwasser nicht so gut bestellt ist, empfehlen wir eine 2-3 Liter Trinkblase. Ob man die nun maximal füllt oder immer unterwegs nachtankt, ist jedem selbst überlassen. Je nach Etappe muss man einfach ein wenig vorausschauend planen, nicht dass man am Ende des Tages dann ohne Wasser da steht!
Grundsätzlich setzen wir auf reichlich belegte Vesperbrote. Immer dabei haben wir frische Sachen wie Karotten, Gurken oder Tomaten. Natürlich ist ein Apfel auch immer im Gepäck. Wenn man zu mehreren unterwegs ist, kann man sich das ja auch ganz einfach aufteilen.

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Unser Tipp für kalte Tage

Tütensuppe in der Thermoskanne!
Das funktioniert super und lässt sich einfach transportieren. Der wohltuend-wärmende Effekt beim ersten Löffel Suppe ist unbeschreiblich…
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Empfehlenswert sind hier einerseits diese 0,50 Euro-Asia-Suppen, aber auch selbst zubereitete Suppen oder gar Eintöpfe. Wir hatten einmal Kartoffelsuppe in unserem Thermo-Mug dabei. Das war Weltklasse.



5.3 Übernachten zu Corona-Zeiten

Tja, das mit der Übernachterei zu Corona ist so eine Sache. Leider haben Pensionen, Wanderheime und Gasthäuser im Zeitraum März bis Mai 2021 geschlossen und bieten nicht wie gewohnt ein Bett und eine Mahlzeit am Wegesrand. Daher ist Improvisieren gefragt.

Aus Stuttgart kommend, können wir zumindest bei den mittleren Etappen tagesaktuell anreisen und am Ende der Wanderung wieder ins Tal absteigen, um dort in Bus und Bahn zu steigen. Das geht, ist aber auch umständlich und schade. Schließlich liegt der Reiz eines Etappenwanderwegs darin, mehrere Etappen am Stück zu wandern. So verläuft der HW1 meistens an der Albkante, also oben auf dem Rücken der Schwäbischen Alb, und dort gibt´s eben keine Bahnschienen und auch keine Straßen – was natürlich gut ist! Nicht jedes offzielle Etappenende liegt in einer Ortschaft und schon gar nicht in einer Ortschaft mit ÖPNV-Anschluss. Mit voraussschauender Planung kann man die Tour individuell so gestalten, dass man im Prinzip von jedem Punkt aus ins Tal gelangt. Die Etappen lassen sich abkürzen bzw. verlängern, und wir haben es bislang immer wieder nach Hause geschafft.

Und wenn nicht, dann hatten wir unser Zuhause einfach dabei. Das wollen wir nicht an die große Glocke hängen, aber das Übernachten unterwegs war/ist für uns in Ausnahmesituationen definitiv eine Option. An dieser Stelle sei erwähnt, dass dies im Biosphärengebiet und im Naturpark verboten ist. Wir rollen unsere Isomatte und den Schlafsack also wirklich nur dort aus, wo es Zeichen von Zivilisation gibt. So haben wir in einer kalten Aprilnacht in der unmittelbaren Nähe eines Wanderheims übernachtet, etwas trockenes Holz im Wald gesammelt und die bereits vorhandene und eingerichtetete Feuerstelle genutzt. Zu Essen gab´s in dem Fall Nudelsuppe und Tee, zum Frühstück Porridge und Kaffee. Dass wir alle, aber auch wirklich alle Übernachtungsspuren beseitigen und jeden noch so kleinen Müllschnipsel mitnehmen, versteht sich von selbst.

Ein anderes Mal legten wir uns auf die Plattform eines Turms… und wurden morgens von einer Wanderin entdeckt, die zum Sonnenaufgang die 125 Stufen emporstieg.

Naja, und mit den menschlichen Hinterlassenschaften in freier Wildbahn handhaben wir es so, dass wir a) ein Loch graben, b) nur wenn notwendig recyceltes Toilettenpapier (keine Tempos!) verwenden, c) dieses dann anzünden und d) den Rest mit Erde bzw. einem Stein bedecken.

Buchtipp: An dieser Stelle verweisen wir mit einem zwinkernden Auge an den kleinen Ratgeber im Taschenformat mit dem Titel: “How to shit in the woods.” vom Conrad Stein Verlag.


6. Fazit

Nach 10 von insgesamt 16 Etappen erlauben wir uns an dieser Stelle ein erstes Fazit. Zugegeben, wir haben etwas Zeit benötigt, um uns auf dem HW1 warmzulaufen. Die ersten Etappen haben uns wahrlich nicht vom Hocker gerissen, doch der Appetit kam beim Essen, und mit jeder weiteren Etappe hat uns der Schwäbische Nordrandweg mehr in seinen Bann gezogen. Herausfordernd ist sicherlich die Tatsache, dass wir im Frühjahr nicht am Wegesrand übernachten konnten, so war unser Wandererlebnis immer wieder unterbrochen. Der Freude an der Sache tat dies aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Vorfreude wurde somit sogar noch gesteigert. Nun freuen wir uns auf die verbleibenden 6 Etappen und hoffen sehr, dass wir sie noch diesen Herbst unter unsere Sohlen nehmen können. Unser Bericht wird dann natürlich fortlaufend ergänzt. Versprochen!

Praktische Tipps

Etappenübersicht & Tourenplanung HW1
Überblick & Planungshilfe gibt die Website vom Tourismusverband Schwäbische Alb

Unterkünfte
Pensionen, Gasthäuser und Hotels am Wegesrand gibt es bei der jeweiligen Etappenbeschreibung auf der Website vom Albsteig I HW1

Literatur
Bergverlag Rother I Renate Florl I Albsteig HW 1 – Nordrandweg von Donauwörth bis Tuttlingen 27 Etappen – mit zahlreichen Varianten, Abkürzungen. Tipp für Familien mit Kindern!

Schwäbische Alb Nordrand-Weg, Albsteig HW1 – In Kooperation mit dem Schwäbischen Albverein erschienen. 23 Etappen.